res publica, Bayerischer Flüchtlingsrat, Pressemitteilung, 05.05.2003
Erste Zwangsabschiebung aus dem Ausreiselager Fürth erfolgt
Dimitri Olenin, Deserteur der russischen Armee, erwarten 25 Jahre Haft in
russischem Gefängnis
Am heutigen Montag, 05.05.2003 gelang es der Regierung von Mittelfranken
beim dritten Versuch, den russischen Deserteur Dimitri Olenin nach
Moskau abzuschieben. Der Insasse des Ausreiselagers Fürth war 1991 nach
Deutschland geflüchtet, sein Asylantrag scheiterte, da er keine Beweise
für seine Identitätsangaben vorlegen konnte. Im Oktober 2002 wurde er in
das Ausreiselager Fürth eingewiesen, da er nach Lesart der zuständigen
Behörden seine Identität verschleierte.
Das russische Generalkonsulat in München bestätigte nach 11 Jahren
Weigerung im April 2003 Herrn Olenins Angaben durch die Ausstellung der
Heimreisedokumente, die für eine Abschiebung notwendig sind. Obwohl also
die Zweifel an den Identitätsangaben von Herrn Olenin ausgeräumt sind,
die sowohl zur Ablehnung seines Asylantrags als auch zur Einweisung in
das Fürther Ausreiselager führten, erhielt er keine neue Chance, in
einem fairen Verfahren ein Aufenthaltsrecht zu erlangen. Unter Verweis
auf die Unanfechtbarkeit der Ablehnung des Asylantrags von Herrn Olenin
setzte Dr. Christoph Hammer, Leiter des Fürther Ausreiselagers, dessen
Abschiebung durch.
Dimitri Olenin flüchtete 1992 als Zwanzigjähriger nach Deutschland. Seit
11 Jahren dauert nun schon seine Odyssee durch bayerische
Flüchtlingsunterkünfte, Abschiebehaft und Ausreisezentren. Als
31jähriger wurde er nun nach Russland abgeschoben, wo ihn als Deserteur
bis zu 25 Jahre Haft erwarten. Russische Gefängnisse verstoßen laut
Amnesty International vielfach gegen die Menschenrechte, viele
Gefangene, insbesondere solche mit langjährigen Haftstrafen, verlassen
diese Gefängnisse nicht mehr lebend. So hat die bayerische
Flüchtlingspolitik mal wieder ein Leben zerstört, weil sie der
"konsequenten Aufenthaltsbeendigung" (Beckstein) den Vorzug gibt
gegenüber dem Grundrecht auf Asyl.
res publica und der Bayerische Flüchtlingsrat sind empört über das
menschenunwürdige Vorgehen der Regierung von Mittelfranken, das
exemplarisch zeigt, wie die bayerische Ausländerpolitik sich beharrlich
weigert, die Folgen ihrer Maßnahmen für die Betroffenen zu bedenken.
Wir sprechen und ausdrücklich gegen diese Art bedenkenloser Abschiebungen
aus.